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Von hier an blind…

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…über die nördlich Hälfte des Kontinents.

Bisher hatte ich mit sehr wenigen Ausnahmen viel Gesellschaft und gutes Kartenmaterial. Ab jetzt kann ich mich etwa 10 Tage mit mir selbst beschäftigen. Ich gestallte es etwas interessanter durch eine leichte Magenverstimmung die ich mir in Cusco am letzten Abend eingehandelt habe und die mir regelmäßige Klobesuche ermöglicht. 4000km Abenteuer entlang der Panamericana, um die tropischen Strände Kolumbiens zu erreichen – kann man nicht buchen und ist auch nicht im Lonelyplanet aufgeführt!

Musik unterwegs, selten und wenn, dann aus dem Radio. Die hören hier eine ganz schräge Folklore, die ich am ehesten als Peruanische Polka bezeichnen würde. Kopfhörer verbieten sich, weil ich auf die feinen Nouancen der Fahrzeuggeräuschkulisse angewiesen bin um permanent zu diagnostizieren ob irgendwo was schief läuft.

Tag 1

Runter vom Altiplano an den Ozean. Am Ende des Tages, an dem ich gerade mal 400km hinbekommen habe (bin auch spät los…)

[PHOTO: Panamericana highway through desert]

Bisher zeigt sich (seit Arequipa) Peru nur von einer sehr wüstenartigen Seite. Dafür ist es neblig und feucht.

Technikschock 1: Die Ölleitung zum Kompressor ist wieder undicht und es sah so aus (ich hatte länger schon kein Achsöl nachgefüllt) das die Achse geplatzt ist. War sie nicht und auch der Ölverlust war nicht messbar. Die Leitung ist allerdings noch provisorischer als zuvor befestigt.

Tag 2 (nahe Nasca)

Heute Morgen habe ich alle Achsen neu gefüllt (es fehlte erstaunlich wenig für die bisherige Strecke).

[PHOTO: Nasca Lines from viewing platform]

Die Nasca Linien habe ich nur gestreift. Nicht vom Flieger aus, sondern nur vom Aussichtspunkt. Ich Erinnere ich hierbei wage an einer Sendung – ich glaube es hiess Querschnitte, von Ditfurt. Er wollte Däniken widerlegen und hat die Theorie aufgestellt, dass es sich um antike Rennstrecken handelt. Nun aus der Nähe betrachtet würde ich beide in den gleichen Sack stecken ;-) …ansonsten sind die Linien unspektakulär, es sei den, man nimmt sich ein paar Tage, um vom Mirrador aus ein Flugzeugabsturz zu beobachten ;-)

Weiter Richtung Lima. Ich verstehe beim besten Willen nicht wieviel Portwein die Spanier intus hatten, als sie auf die Idee kamen Lima, an der Stelle wo es jetzt steht, zu gründen?!

Technikschock 2 (während der Fahrt durch Lima): Ich verliere wieder zu viel Luft in der Pneumatik. Wenn man im Zentrum von Lima merkt, dass man unter 8 Bar hängt ist das ähnlich blöd wie auf 4500 auf dem Altiplano… Eigentlich ziehe ich Altiplano sogar in jeder Hinsicht vor! Das Leck muss ich sehr bald fixen!

Schlafen an einer Peaje kurz hinter Lima. Polizisten haben mich eindringlich gewarnt nachts sichere Plätze anzusteuern. Sogar die, die mich ausgeraubt haben. Wie das? Nunja, ich habe über eine doppelt durchgezogene Linie hinter einem anderen (Peruanischen) Fahzeug ein Traktor überholt. Das bedeutet hier: Führerschein weg! Da uns allen klar war, das dies keine brauchbare Lösung für mich ist, haben wir uns auf eine horrende Bestechung geeinigt. Unter Amigos versteht sich. Sie haben nichts gesehen, ich habe nichts gesehen… :-/ Ich finde die Bullen hier trotzdem Klasse, weil sie sich in der Hauptsache (Sicherheit) sehr um einen sorgen. Ich kann auch immer noch nicht meine private Polizeieskorte vergessen.

Landschaft: Wüste, Stein, Wüste und Stein, gelegentlich ein fruchtbares Tal in der Wüste aus Sand und Stein, Wolken, Nebel, Pazifik, Geier.

Ich wollte vom Altioplano weg zum Strand in die Tropen. Strand habe ich schon, Nachts ist es auch ungleich wärmer (bald muss ich die langen Hosen weglegen, obgleich die Peruaner hier mit Handschuhen rumlaufen), aber so ganz tropisch ist es noch nicht… Dazu fehlen auch die Hüftschwingenden Equadorianerinen oder Kolumbianerinen.

Tag 3: Erstmal die Pneumatik fixen

[PHOTO: Mechanico 1, Mechanico 2, Sueldor working on El Trol]

Die alte Schweissnaht aus Deutschland ist aufgegangen und muss neu geschweisst werden, ansonsten straft mich der Mechaniker mit einem bösen Blick angesichts der Provisorien, die sich um den Kompressor gesammelt haben. Wieder ein halber Tag weg ohne Kilometer.

Das Ganze kostet 40 Euro und ich glaube er hat damit seinen Monatslohn schon gemacht. Die ganzen tollen Orte in Peru, wo ich war, kennt er nur vom Hören-sagen. Er wird es sich nie leisten können, dort hinzureisen.

Bis mittag ist die Welt zum Selbstmorden… danach kommt die Sonne raus und ich habe den wagen Eindruck, dass die Städte so ganz langsam tropischer werden, aber ganz langsam… bin noch 9 grad vom eq entfernt.

Die Bullen hier haben eine andere Masche: die fragen einfach nach Benzingeld…

Abendessen: Bohnen mit Sardinen. Geschmack dazu gibt es aus einer Pulvertüte Tomatensuppe – gar nicht schlecht.

Da sich die netten Menschen Nachts alle in Wehrwölfe verwandeln stehe ich wieder brav an einer Peaje, die rundum von der Policia Carretera bewacht wird. Stadtbesuch in den Tittie-Twister fällt aus, weil die nächste Stadt 10km von hier entfernt ist.

[PHOTO: Fun with Policia Carretera - long exposure with red laser lights]

Ich mache noch ein paar Lanzeitbelichtungen (und die Bullen haben mächtig spass die roten Laserschwerter zu schwingen und Fahrzeuge rauszuwinken ;-)

Die Verhältnisse in denen Menschen hier zuweilen leben sind für uns nicht vorstellbar. Hier gibt es viele Häuser, die nur aus Palmblättergeflecht gebaut sind.

Tag 4

Wüste, Stein, Wüste und Stein, gelegentlich ein fruchtbares Tal in der Wüste aus Sand und Stein, Wolken, Nebel, Pazifik, Geier.

[PHOTO: More Panamericana desert highway]

Ich stehe vor Sonnenaufgang auf, Katzenwäsche, ein Joghurt, ein Mate (einziger Luxus, wegen dem Koffein) und los!

12 Stunden fahren mit Pausen und Zwischenstops 60km Bewegungsschnitt, 55km Gesamtschnitt. Es ist zäh und lang. Was am meisten Zeit kostet, sind die Stadtdurchquerungen. Sie sind langsam, dafür aber nicht ausgeschildert und überall liegen tote Polizistinen auf der Straße, über die man nur sehr sehr langsam rüberfahren kann. Ich liebe die langen Wüstenstrecken, weil ich da auf 100km komme.

Breitengrad 5. Es ist tropisch! Die sonne ist unten und wir haben 25 Grad Celsius. Vorhin haben mich die Zöllner besucht und mich eingeladen sie zu besuchen, was mir einen schnellen e-Mail-Check ermöglichte der ansonsten unmöglich wäre ;-)

Ein Teller Marakuja-Mark zum Abendessen ist so endlos geil – Attack of Happiness!!!

Ich wollte an tropische Strände. Tag 1 = Strand, Tag 4 = tropisch, aber != Strand, ich denke bald habe ich die combo! ;-)

Tag 5: Ankunft in Puerto Lopez (Ecuador)

[PHOTO: Cabo Blanco coastal view]

Der Norden der Küste von Peru ist das Surf Revier, nur heute ist das Meer Spiegelglatt. Cabo Blanco – das ex Merlin Fisch Dorado strahlt ein morbiden Glanz aus, also weiter. Am angelblich schönsten Strand werde ich wieder mal durch den Kompressor abgelenkt. ist aber ein einfacher Fix (festziehen).

[PHOTO: Ecuador/Peru border crossing]

Die Grenze zu Ecuador ist lustig knifflig. Ich habe einen lustigen Räuber an meiner Seite gehabt, der mich durch die Institutionen geführt hat (keine Chance die Aduana für Vehiculos Extranjeros am Markttag zu finden oder zu erreichen).

An die Ecuadorianer geht auch der Preis für maximale Penibilität bei den Zolldokumenten. Sogar die Chilenen haben gesagt: „ach egal, dann tragen wir für Motornummer eben auch die Chassisnummer ein“, nicht so hier, sie sind mit zum El Trol gekommen um die Motornummer festzuhalten und konnten so garnichtt glauben, das in einem Deutschen Fahrzeugbrief keine Motornummer erwähnt ist…

Egal, er ist mit 10$ und weit mehr Flüchen von mir wieder abgezogen, aber ohne ihn wäre ich nicht durchgekommen… Da ich mich auf dem Hexenmarkt in La Paz ordentlich eingedeckt habe kann ich davon ausgehen, dass ihn der Blitz beim Sch* treffen wird.

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