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Abenteuer

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Ich wollte Abenteuer, ich habe Abenteuer bekommen. Erlaub mir ein wenig auszuholen... Obwohl Feuerland auf der Karte nur als Zipfel an Südamerika hängt, braucht man doch einen vollen Tag, um überhaupt zur Fähre zu gelangen, wenn man von der Estacion Harberton aus aufbricht. An der Grenze gibt es einen längeren Aufenthalt, weil wir direkt nach einem Bus ankommen und eine entsprechende Schlange abzufertigen ist. Was dann aber wirklich lange dauert ist die Erfassung der nicht-einführbaren Güter. Ich selbst ernähre mich ja nur von frischem Fleisch und Salat, aber meine Mitreisenden, insbesondere der ach so lebenserfahrene Gerd, musste ja unbedingt ein kleines Obst- und Gemüselager einrichten. Da sehr genau geprüft wird, habe ich angegeben, dass wir ein „wenig“ Obst und Gemüse dabeihaben. Das haben sie sich dann angesehen und mitgenommen und dann begann es erst. Alles wurde akribisch Erfasst und gewogen, jeweils für das Erfassungsdokument (Mehrseitig mit Durchschlägen) und das Zerstörungseinwilligungsdokument (Mehrseitig mit Durchschlägen). Sie entschuldigten sich dafür, dass es leider viel Papier in Chile gibt und ich entschuldigte mich, weil mir klar wurde, dass wieder mal ein ahnungsloser Tourist (ich meine damit nicht mich - ich kannte ja die Prozedur) unnötige Arbeit verursacht hat. Den Kram vorher in die Tonne zu werfen und einfach "Nein" ankreuzen wäre eben schneller gewesen. Abends, wenn die Grenze dann zumacht, werden die Papierdokumente nochmals per Computer für die zentrale Verwaltung abgetippt. Aber ich wollte ja vom Abenteuer erzählen. Nun die Strecke war anfangs OK (soweit eine Lehm-/Schotterstrecke eben OK sein kann, ging dann den Berg rauf. Also vorsichtshalber die vordere Achse dazu geschaltet und dann waren wir auf dem Hochplateau. Das war dann nur noch Lehm. Die ersten tieferen Pfützen waren noch lustig, aber diese wurden tiefer und tiefer. Egal, Hauptsache jetzt nicht stehenbleiben. Lenken ist sowieso nicht möglich, man ist froh, dass El Troll in die gleiche Richtung möchte wie die Straße und dann dreht sich das Fahrzeug um 45 Grad, schmiert immer noch in der gleichen Richtung wie die Straße, geht dann aber auf die Böschung Los. Die Böschung ist fast so hoch wie der Reifen und aus losem Lehm und das neue Ziel von El Troll und Rums. Bei schwerem Wind, Dämmerung stecken wir in der Böschung einer Schlammfurche. Solch eine Erfahrung plante ich eigentlich erst irgendwo in Bolivien... Ich mache die letzte Differentialsperre noch zu und versuche in einem der unteren Kriechgänge rauszukommen und es geht. Die Böschung war noch ausreichend griffig. Wieder auf der Straße beginnt dann aber die eigentliche Tortur. Man kann schlicht nicht lenken und hofft, dass man ausreichend schnell ist um nicht steckenzubleiben, dass der Wind nicht noch stärker wird und einen von der Straße drückt. Wenn man noch 60 Kilometer vom Ziel ist, ausreichend schnell gerade mal etwa 15km/h sind, die Sonne schon längst untergegangen ist und vor dem Ziel einfach garnichts ist, ist das ein recht intensives Gefühl. Wie geschrieben: ich wollte Abenteuer, ich bekomme Abenteuer. Umsoschöner ist es dann, das Ziel tatsächlich zu erreichen. Die Ansprüche sind dann so weit unten, dass eine warme Mahlzeit, ein Klo und ein paar andere Menschen sehr viel Luxus bedeuten! Nachtrag und @Mona: Am Ziel angekommen habe ich mir eines der Bonbons gegönnt :-) Meine aktuelle Station ist der Garten eines Hostels in Punta Arenas. Nächster Stop ist dann irgendwo im Torres del Paine Nationalpark.

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